Die jüngsten KI-Nachrichten reichen vom autonomen Durchspielen eines Videospiels bis zu neuen Grenzen für KI an Schulen. Zugleich zeigen Forschungs- und Produktmeldungen, wie schnell KI in Medizin, Mobilität und den digitalen Alltag vordringt.
Redaktionell zusammengefasst und mit den Originalquellen belegt.
OpenAI-Astra spielt Portal selbstständig durch
GPT-6 Astra hat Valves Puzzlespiel Portal in einem Experiment weitgehend selbstständig abgeschlossen. Dafür erhielt das Modell über eine Schnittstelle Screenshots, Informationen zur Spielfigur sowie die Möglichkeit, Bewegungen und andere Eingaben an das Spiel zu senden. Astra musste laufend die dreidimensionale Umgebung erfassen, Rätsel lösen und die nächsten Aktionen planen. Insgesamt waren 3.336 Werkzeugaufrufe nötig, der Versuch dauerte fast 24 Stunden und kostete 571,18 US-Dollar.
Der Test zeigt anschaulich, wie sich Agenten von klassischen Chatbots unterscheiden: Sie geben nicht nur Antworten aus, sondern zerlegen ein Ziel in Handlungsschritte und prüfen anschließend deren Ergebnis. Gleichzeitig macht die hohe Rechnung deutlich, dass solche Fähigkeiten derzeit kaum wirtschaftlich sind. Zudem ist Portal umfangreich dokumentiert, weshalb offenbleibt, wie gut Astra ein völlig unbekanntes Spiel bewältigen würde.
New York City beschränkt KI an öffentlichen Schulen
New York City verbietet an öffentlichen Schulen die Nutzung von KI-Tools für Schülerinnen und Schüler bis zur achten Klasse. Die Regel gilt ab dem neuen Schuljahr und betrifft laut Department of Education rund 600.000 Kinder. Companion-Chatbots sind in allen Klassenstufen untersagt, während Lehrkräfte KI weiterhin zur Unterrichtsvorbereitung verwenden dürfen. Eine Nutzung für die Benotung ist ausgeschlossen. Für die Mittelstufe empfiehlt die Behörde außerdem höchstens 45 Minuten Bildschirmzeit pro Tag.
Die Entscheidung macht sichtbar, wie unterschiedlich Bildungseinrichtungen den Nutzen und die Risiken von KI bewerten. Befürworter strenger Regeln warnen davor, dass Kinder das eigenständige Schlussfolgern an Software abgeben könnten. Eine Taskforce aus Lehrkräften, Politik, Wissenschaft und Gewerkschaften soll bis April 2027 Vorschläge für die weitere KI-Politik der Stadt erarbeiten.
KI-Wirkstoff zeigt Hinweise auf jüngere biologische Marker
Der Wirkstoff Rentosertib wurde mit Unterstützung generativer KI für die Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose entwickelt. In einer neuen Auswertung untersuchten Forschende Blutproben von 42 behandelten Patientinnen und Patienten mit sechs voneinander unabhängigen Alterungsmodellen. Alle Modelle ermittelten im Vergleich zu Placebo ein niedrigeres vorhergesagtes biologisches Alter. Der stärkste Effekt entsprach bei einer Messung bis zu sechs Jahren, häufig lagen die Veränderungen bei drei bis vier Jahren.
Die Ergebnisse sind interessant, aber vorläufig. Alterungsuhren schätzen biologisches Alter anhand von Proteinmustern; sie messen keine tatsächliche Verjüngung und sind nicht automatisch ein Beleg für längeres oder gesünderes Leben. Die Stichprobe war klein, und ein Test an gesunden Menschen fehlt. Möglich ist daher auch, dass die Veränderungen teilweise mit der verbesserten Lungenfunktion oder der behandelten Erkrankung zusammenhängen.
Alibaba stellt Qwen-Drive-1.0 für autonomes Fahren vor
Alibaba Research hat Qwen-Drive-1.0 vorgestellt, ein Modell, das Umgebungswahrnehmung, Fragen zur Verkehrssituation und Fahrplanung zusammenführt. Die Basis bildet Qwen3.5-4B, ergänzt um ein Modul für eine dreidimensionale Karte der Umgebung und einen sogenannten Planning Expert für die nächsten Fahrbewegungen. Nach zusätzlichem Training sank in einer Simulation die Rate des Abkommens von der Fahrbahn von 24 auf 12 Prozent. Das Modell wurde außerdem für die Forschung kostenlos veröffentlicht.
Der Ansatz adressiert ein zentrales Problem multimodaler Modelle: Bilder beschreiben zu können bedeutet nicht automatisch, Entfernungen, freie Flächen und räumliche Beziehungen zuverlässig zu verstehen. Ein gemeinsames Modell könnte künftig Cockpit-Assistent und Fahrsystem verbinden und dadurch Rechenaufwand sparen. Die Ergebnisse zeigen aber auch Grenzen: Das Fahrzeug fuhr vorsichtiger, kam weniger weit und begründete manche Entscheidungen anders, als es tatsächlich handelte.
ChatGPT gewinnt beim Web-Traffic wieder Marktanteile
ChatGPT hat seinen Anteil am Website-Traffic der großen KI-Chatbots zuletzt wieder ausgebaut. Nach Angaben von Similarweb stieg der Anteil von 52,7 auf 55,5 Prozent. Google Gemini fiel dagegen von 27,8 auf 25,6 Prozent. Über zwölf Monate betrachtet liegt ChatGPT allerdings weiterhin deutlich unter seinem früheren Niveau, während Gemini seinen Anteil verdoppelte und Anthropics Claude von 1,9 auf 9,3 Prozent zulegte.
Die Zahlen messen ausschließlich Besuche im Web und bilden nicht den gesamten Einsatz der Dienste ab. Mobile Apps, Android-Integrationen und Desktop-Angebote können dadurch unterrepräsentiert sein. Trotzdem zeigen die Daten, dass sich der Wettbewerb nicht allein über Modellqualität entscheidet. Sichtbarkeit, Produktverteilung und der Zugang über bereits etablierte Plattformen beeinflussen maßgeblich, welcher KI-Dienst im Alltag tatsächlich genutzt wird.