Die KI-Branche verschiebt ihre Grenzen: ChatGPT gerät in den Fokus europäischer Plattformregeln, während OpenAI neue Geschäftsmodelle testet. Gleichzeitig zeigen Chinas Speicherfortschritte und Instagrams Umgang mit KI-Profilen, wie stark Infrastruktur und Vertrauen zum Machtfaktor werden.
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EU-Kommission stuft ChatGPT erstmals als Suchmaschine ein
Die EU-Kommission ordnet ChatGPT erstmals als sehr große Suchmaschine nach dem Digital Services Act ein. Ausschlaggebend sind die integrierte Websuche und die monatliche Reichweite von mindestens 45 Millionen Nutzerinnen und Nutzern in der Europäischen Union. OpenAI hat nun vier Monate Zeit, um zusätzliche Vorgaben umzusetzen. Dazu zählen Risikoprüfungen zu illegalen Inhalten, möglichen Gefahren für Minderjährige und Manipulationen rund um Wahlen. Auch ein Werbearchiv, Transparenzberichte und Meldewege für illegale Inhalte werden verlangt.
Die Einstufung verschiebt die regulatorische Perspektive auf ChatGPT: Der Dienst wird nicht mehr nur als Chatbot, sondern auch als Zugang zu Informationen im Netz behandelt. Damit steigt der Druck auf OpenAI, Suchergebnisse, Empfehlungen und mögliche gesellschaftliche Risiken nachvollziehbarer zu machen. Umstritten bleibt, wie weit der verlangte Datenzugang für zugelassene Forschende reichen darf. Juristen diskutieren insbesondere, ob darunter auch Trainingsdaten oder Modellgewichte fallen könnten.
OpenAI meldet Milliarden-Marke im Werbegeschäft
OpenAI meldet für sein Werbegeschäft eine hochgerechnete Jahresumsatzrate von einer Milliarde US-Dollar. Die Werbefunktion startete zunächst als Test in den USA und ist laut dem Bericht inzwischen in mehr als 40 Ländern verfügbar. Ein Selbstbedienungszugang für Werbekunden wird zusätzlich in Indien, Europa sowie im Nahen Osten und in Nordafrika ausgerollt. Anzeigen sollen klar gekennzeichnet sein und die Antworten des Chatbots nicht beeinflussen. Nach Angaben des Unternehmens erhalten Werbekunden keinen Zugriff auf private Gespräche.
Die Entwicklung zeigt, dass OpenAI ChatGPT nicht allein über Abos und Firmenkunden finanzieren will. Werbung könnte den kostenlosen Zugang stützen, bringt aber neue Fragen zur Trennung von Antworten und kommerziellen Interessen. Für Nutzerinnen und Nutzer wird entscheidend sein, ob Empfehlungen tatsächlich unabhängig bleiben und wie transparent die Auswahl der Anzeigen funktioniert. Besonders in Europa dürfte die Kombination aus Werbung, Websuche und strengen Plattformregeln genau beobachtet werden.
China baut erstmals selbst fortgeschrittenen Speicher für KI-Chips
Chinas führender Speicherhersteller ChangXin Memory Technologies, kurz CXMT, fertigt dem Bericht zufolge erstmals kleine Mengen HBM3E. High Bandwidth Memory ist ein besonders schneller, gestapelter Speicher, der direkt mit KI-Prozessoren zusammenarbeitet und für das Training sowie den Betrieb großer Modelle wichtig ist. CXMT liegt technisch noch hinter Samsung, SK Hynix und Micron, die bereits modernere HBM4-Produkte in Serie herstellen. Die chinesische Entwicklung befindet sich damit offenbar noch in einer frühen Phase und kämpft mit einer niedrigen Ausbeute.
Trotzdem ist der Schritt strategisch bedeutsam. US-Exportregeln erschweren chinesischen Unternehmen den Zugang zu fortgeschrittenem Speicher und bremsen dadurch auch eigene KI-Chips. Wenn CXMT die Fertigung stabilisiert, könnten chinesische Chipentwickler mittelfristig unabhängiger von ausländischen Zulieferern werden. Das würde den Wettbewerb um KI-Hardware verschärfen und Chinas Fähigkeit stärken, leistungsfähige Modelle trotz geopolitischer Beschränkungen weiter auszubauen.
Instagram führt neues Label für KI-generierte Profile ein
Instagram führt ein neues Label für vollständig oder überwiegend KI-generierte Profile ein. Die Kennzeichnung „AI-generated profile“ ersetzt das bisherige „AI creator“-Label und soll deutlich machen, wenn hinter einem Profil keine reale Person, sondern eine künstlich erzeugte Identität steht. Profile ohne erforderliche Kennzeichnung können bei Reichweite und Empfehlungen eingeschränkt werden. Betroffene sollen das Label über den Kontostatus aktivieren oder Einspruch einlegen können. Wer KI lediglich als kreatives Hilfsmittel nutzt, soll nicht automatisch betroffen sein.
Der Schritt reagiert auf ein wachsendes Problem sozialer Plattformen: Synthetische Figuren können inzwischen realistisch aussehen, regelmäßig posten und große Communities aufbauen. Für Nutzer wird dadurch schwerer erkennbar, ob sie mit Menschen, Marken oder automatisierten Profilen interagieren. Die neue Kennzeichnung schafft zwar Orientierung, löst aber nicht die Frage, wie konsequent Instagram Verstöße erkennt. Zugleich zeigt sie, dass Plattformen KI-Inhalte zunehmend nicht mehr nur als einzelne Beiträge, sondern als komplette digitale Identitäten behandeln müssen.
Bank-of-England-Chef warnt G20 vor KI-Investmentblase und Cyberrisiken
Andrew Bailey, der Chef der Bank of England und des Financial Stability Board, warnt die G20 vor einer möglichen Überhitzung des KI-Marktes. Seine Sorge richtet sich auf hohe Unternehmensbewertungen, wachsende Hebelwirkung an den Finanzmärkten und enge Beteiligungen zwischen KI-Firmen und großen Cloud- und Plattformkonzernen. Wenn ein wichtiger Anbieter oder Infrastrukturpartner in Schwierigkeiten gerät, könnte sich ein Schock über diese Verbindungen schnell ausbreiten. Gleichzeitig sieht Bailey wachsende Cyberrisiken durch sogenannte Frontier-AI-Modelle, also besonders leistungsfähige Systeme an der technologischen Spitze.
Die Warnung verbindet erstmals sehr deutlich zwei bislang oft getrennt diskutierte Risiken: finanzielle Übertreibung und technische Missbrauchsmöglichkeiten. Der KI-Boom braucht enorme Investitionen in Rechenzentren, Chips und Energieversorgung, wodurch Unternehmen und Investoren hohe Erwartungen einpreisen. Sollten Umsätze oder Produktivitätsgewinne hinter diesen Erwartungen zurückbleiben, könnten Bewertungen und Finanzierungen unter Druck geraten. Für Regierungen bedeutet das, dass Regeln für fortgeschrittene KI nicht nur Sicherheitsfragen, sondern auch systemische Wirtschaftsrisiken berücksichtigen müssen.