Die KI-Branche bewegt sich weiter in Richtung handelnder Assistenten: ChatGPT kann Nachrichten bearbeiten und versenden, Meta AI greift auf Apps und Arbeitsdaten zu. Gleichzeitig zeigen neue Daten, wie stark KI den Unternehmensmarkt, kritische Infrastruktur und die Inhalte des Webs prägt.
Redaktionell zusammengefasst und mit den Originalquellen belegt.
OpenAI gewinnt bei zahlenden Firmenkunden wieder an Boden
OpenAI gewinnt im Wettbewerb um zahlende Firmenkunden offenbar wieder an Dynamik. Nach Daten des Ausgaben- und Kreditkartenanbieters Ramp wuchs OpenAI im laufenden dritten Quartal bei den erfassten US-Unternehmen schneller als Anthropic. Im Juli lag Anthropic bei knapp 44 Prozent Marktanteil, OpenAI bei knapp 40 Prozent. Ramp wertete dafür Daten von mehr als 70.000 Unternehmen aus, die zusammen Milliardenbeträge über die Plattform ausgeben.
Die Zahlen sind kein vollständiges Abbild des gesamten Unternehmensmarkts, weil große Firmen mit anderen Zahlungsdienstleistern fehlen. Sie zeigen aber, wie wechselhaft der Wettbewerb zwischen den KI-Anbietern geworden ist. Unternehmen testen offenbar neue Modelle und wechseln je nach Preis, Leistung und Datenschutzanforderungen. Zugleich steigt der Anteil der Ramp-Kunden, die überhaupt für KI-Dienste bezahlen: Im Juli lag er bei fast 56 Prozent. Für OpenAI ist der Trend ein wichtiges Signal, aber noch kein dauerhafter Führungswechsel.
ChatGPT kann Apple-Messages-Nachrichten bearbeiten und versenden
ChatGPT kann über ein neues Plug-in auf Apple Messages zugreifen und Nachrichten im Auftrag der Nutzer bearbeiten. Die Funktion soll Unterhaltungen durchsuchen, Inhalte sortieren und Antworten vorschlagen können. Außerdem lassen sich Nachrichten löschen sowie neue Texte formulieren und versenden. Das Plug-in arbeitet laut Bericht auch mit Codex und ChatGPT Work zusammen, sodass die Funktion nicht nur für private Kommunikation gedacht ist.
Damit wird ChatGPT stärker von einem Antwortsystem zu einem Assistenten, der direkt in digitalen Konten handelt. Genau das erhöht aber das Risiko von Fehlversand, Missverständnissen oder unerwünschten Aktionen. OpenAI empfiehlt deshalb, die letzte Bestätigung vor dem Versand beizubehalten, damit Menschen den Text noch prüfen können. Das Unternehmen erklärte zudem, die Verarbeitung laufe lokal auf dem Mac und erstelle keinen vollständigen Nachrichtenindex. Einzelheiten zur technischen Umsetzung bleiben jedoch offen.
Meta AI erhält eine Mac-App mit systemweiter Spracheingabe
Meta hat eine neue Mac-App für Meta AI vorgestellt, die Spracheingabe über verschiedene Anwendungen hinweg ermöglicht. Der Assistent kann außerdem den aktuellen Bildschirminhalt betrachten und Fragen anhand des sichtbaren Kontexts beantworten. Für Unternehmen gibt es Verbindungen zu Instagram, Facebook, Werbekampagnen und Google Workspace mit Gmail, Docs, Sheets und Slides. Meta AI soll daraus etwa Kampagnen analysieren, Zielgruppenreaktionen einordnen sowie Präsentationen, Dokumente und Tabellen vorbereiten.
Die Veröffentlichung zeigt, dass KI-Anbieter den Desktop zunehmend als Arbeitsumgebung erschließen wollen. Statt Informationen nur in einem Chatfenster zu verarbeiten, sollen Assistenten zwischen Programmen, Dateien und Konten vermitteln. Das kann Routineaufgaben beschleunigen, schafft aber zugleich neue Anforderungen an Berechtigungen und Datenschutz. Besonders sensibel ist, dass der Assistent Bildschirmkontext und Geschäftsdaten kombinieren kann. Für Unternehmen wird deshalb entscheidend sein, welche Zugriffe standardmäßig erlaubt sind und wie nachvollziehbar die Aktionen bleiben.
US-Behörden warnen vor KI-gestützten Angriffen auf Wassertechnik
US-Behörden warnen vor einer breiteren Angriffswelle auf Wasser- und Abwassersysteme. Im Mittelpunkt stehen Siemens-S7-Steuerungen, sogenannte speicherprogrammierbare Steuerungen, die automatisierte Abläufe in Wasserwerken, Energieanlagen, Fabriken und der Landwirtschaft kontrollieren. Nach Angaben der US-Cybersicherheitsbehörde CISA, des FBI und der NSA versuchen Angreifer, auf diese Geräte zuzugreifen. Dabei kommt laut der Warnung auch künstliche Intelligenz zum Einsatz.
Die Bedeutung geht über einzelne IT-Systeme hinaus: Werden solche Steuerungen manipuliert, können reale Prozesse gestört werden. Denkbar sind Ausfälle, gefährliche Betriebszustände oder Schäden an Anlagen. Wasserwerke gelten deshalb als besonders sensible Infrastruktur, weil digitale Angriffe unmittelbare Folgen für Versorgung und Sicherheit haben können. Die Warnung zeigt außerdem, dass KI nicht nur bei der Abwehr hilft, sondern Angreifern offenbar die Suche nach verwundbaren Systemen erleichtert. Betreiber müssen daher klassische Netzwerksicherheit und den Schutz industrieller Steuerungen gemeinsam betrachten.
Studie findet deutliche KI-Spuren auf 35 Prozent neuer Webseiten
Eine neue Analyse des Pew Research Center kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Drittel der Webseiten, die seit dem Start von ChatGPT veröffentlicht wurden, deutliche Hinweise auf KI-Autorenschaft oder umfassende KI-Bearbeitung zeigen. Für die Untersuchung wurden fast eine halbe Million englischsprachige Seiten aus einem Webarchiv ausgewertet. In einer Momentaufnahme von Juli 2026 fanden sich bei den nach November 2022 veröffentlichten Seiten in 35 Prozent der Fälle entsprechende Spuren.
Die Zahl ist keine exakte Messung, denn automatische Erkennung kann menschlich geschriebene Texte falsch einordnen. Sie macht dennoch sichtbar, wie schnell generative KI die Produktion von Online-Inhalten verändert. Besonders häufig fanden sich Hinweise auf kommerziellen .com-Seiten, während .edu- und .gov-Angebote deutlich seltener betroffen waren. Wenn immer mehr Texte von Maschinen erstellt oder überarbeitet werden, wird die Unterscheidung zwischen menschlicher Quelle, automatisierter Veröffentlichung und redaktioneller Kontrolle wichtiger. Für Leserinnen und Leser steigen damit die Anforderungen an Quellenprüfung und Medienkompetenz.